GNZ 29.09.2018 – A-Team

Ein Novum und viele Fehler

Kommentar von Dieter Geissler
Der Vereinsvorstand des SV09 Somborn hat mit seine Entscheidunq, die erste Mannschaft mit sofortiger Wirkung vom Kreisoberliga-Spielbetrieb zurückzuziehen und das Reserveteam in der Kreisliga B zu belassen, für ein Novum im Fußballkreis Gelnhausen gesorgt. Diesbezüglich bleibt festzuhalten: Sowohl die Chefetage des Vereins als auch die Spieler des Somborner Kaders haben fatale Fehler gemacht, die zu dieser in vielerlei Hinsicht unrühmlichen Entwicklung geführt haben.
Offensichtlich gab es schon im Verlauf der zurückliegenden Monate dramatische Kommunikationsdefizite auf beiden Seiten, sonst hätte es sicherlich nicht so weit kommen müssen. Wie genervt muss ein Vorstand von einer Mannschaft sein, dass das Gremium die Spieler vor die Wahl stellt, sich entweder zu ändern oder das Weite zu suchen? Hätte ein konstruktiver Dialog im Vorfeld der Saison — der Grundkonflikt schwelte offenkundig schon in der vergangenen Spielrunde — zur Deeskalation beitragen können? Hierüber kann man nur Mutmaßungen anstellen.
Warum die Vorstandsmitglieder den Spielern eine mangelhafte Einstellung sowohl auf dem Platz als auch in puncto Vereinsidentifikation vorwerfen, ist hingegen etwas klarer nachzuvollziehen. In einer Mannschaft, die sich in der vergangenen Saison dank mangelhafter Konkurrenzfähigkeit in der Gruppenliga Woche für Woche abschießen lassen musste, leidet naturgemäß die Motivation, und ein gewisser Schlendrian im Training ist angesichts einer solchen Konstellation durchaus vorstellbar. Das für sich genommen ist nicht positiv, aber mit Blick auf eine Amateurtruppe keinesfalls eine Rechtfertigung für die Abmeldung des Teams.
Der Vorwurf der mangelnden Identifikation einiger Somborner Spieler mit ihrem Klub wiegt indes schwerer und wirft ein Schlaglicht auf eine grundsätzliche Fehlentwicklung, die seit vielen Jahren in der Amateurfußballszene zu beobachten ist: Das Geld spielt eine zu große Rolle. Es kann nicht ernsthaft sein, dass beispielsweise ein Mittelklasse-A-Ligist zur Unterhaltung seines Spielerkaders — und das ist eine gesicherte Zahl — pro Saison eine Summe von 6000 Euro für Aufwandsentschädigungen und Prämienzahlungen benötigt. Eine Summe, die sich für Kreisoberligisten und noch höherklassiger spielende Teams entsprechend potenziert. Wenn dieser Faktor keine Rolle spielen würde, dann hätte es diesen schon jetzt historischen Somborner Rückzug garantiert nicht gegeben.